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Interview mit Moritz Lindbergh Nach einigen vergeblichen Versuchen hat es endlich geklappt. Im Rahmen eines Telefoninterviews steht Moritz Lindbergh im Februar 2002 Rede und Antwort. Jetzt hat es ja doch noch geklappt - was ist denn mit Ihrem Telefon? Ich habe mich leichtsinnigerweise dazu entschlossen, ISDN und DSL zu beantragen. Seit einer Woche ist mein Telefonanschluss jetzt schon nicht mehr in Betrieb, aber Morgen soll Alles wieder funktionieren. Drücken Sie mir die Daumen! Ich kann zwar über mein Handy telefonieren, aber wenn ich drehe bin ich natürlich nicht ständig erreichbar. Sie sind aus der erfolgreich laufenden SAT1 - Serie "alphateam" ausgestiegen - warum? Ich hatte für mich beschlossen, dass die Geschichte meiner Rolle Dr. Pacek innerhalb des "alphateams" nach 163 Folgen - hundertdreiundsechzig!- erzählt war. Wissen Sie, einerseits ist es schade, etwas aufzugeben und ich vermisse die Arbeit mit meinen Kollegen, aber andererseits muss man häufig Brücken abbrechen, bevor etwas Neues entstehen kann. Wie überall im Leben - bloss weil man den Abschied nicht mag, kann man ja nicht einfach immer bleiben... Es ist ja dann auch etwas Neues entstanden: Das ominöse "Spin-Off". Wieso ominös? Man hört gar nichts Genaues darüber - worum geht es denn da? Dann will ich mal ein bisschen was verraten: 2 Ärzte, der Internist Dr. Brotesser und der Chirurg Dr. Pacek machen sich zusammen in einer Hamburger Altbauvilla selbständig. Dann haben Sie ja immerhin einen Ihrer "alphateam" - Kollegen behalten. Ja, aber ausgerechnet den...? Nein, ich mach' nur Spass. Jedenfalls praktiziert in dieser Villa auch eine Diplompsychologin und dieses Trio wird dann auf die Patienten losgelassen - oder umgekehrt. Und wann können wir das sehen? Wir haben Ende 2001 zwei Folgen abgedreht und arbeiten zur Zeit an den nächsten sechs, also frühestens im Herbst 2002. Der Sendeplatz steht noch nicht genau fest, wahrscheinlich im September - natürlich in SAT1. Bei RTL haben Sie aber auch eine Serie in Vorbereitung? Ja, wir haben bereits 5 Folgen der neuen Comedy - Serie "Trautes Heim" gedreht, als Testballon sozusagen. Das Thema ist etwas gewagt - es geht um eine Art schwule Wohngemeinschaft, zusammengewürfelt aus drei völlig unterschiedlichen Typen. Dazu kommt quasi als Jugendsünde die Tochter von einem der Drei. Ich spiele den Ulf, genannt "Ulla, kurz gesagt eine Diva. War es für Sie, der Sie nicht schwul sind, nicht schwierig diese Rolle zu spielen? Naja, deshalb sind wir ja Schauspieler - es gibt dieses alte Extrembeispiel, dass man ja auch kein Mörder sein muss, um einen Mörder zu spielen. Aber diese Rolle ist schon eine Herausforderung: gibt man zuwenig, ist es langweilig (eine Todsünde bei Comedy), macht man zuviel, kann es peinlich werden. Eine Gratwanderung, aber gerade das hat mich daran gereizt. Das hat eigentlich nichts damit zu tun, ob man schwul ist oder nicht - obwohl schon interessant ist, dass keiner von uns Schauspielern dieser Serie tatsächlich schwul ist - vielleicht braucht man diese Distanz. Da sind wir ja mal gespannt. Ich auch. Ich bin vor Allem gespannt, ob dieses Format beim Publikum ankommt. Aber egal, wie es ausgeht, man muss von Zeit zu Zeit etwas Neues wagen, sonst haben wir nur noch Quizshows, Arztserien und Krimis im deutschen Fernsehen. Deshalb find ich klasse, dass RTL das gemacht hat. Wenn auch nur mit 5 Folgen. Tja, das ist leider ein bisschen zu wenig, aber wenn's gut ankommt, dürfen wir bestimmt weitermachen - also schaltet bloss Alle ein! Wann läuft "Trautes Heim" denn? Wenn ich das wüsste, eventuell schon im Juni, u.U. auch erst im Herbst 2002 - hoffentlich nicht zeitgleich mit dem Spin - Off... Moritz Lindbergh auf allen Kanälen... Also soweit ist es ja wohl noch nicht. Wenn Sie jetzt ins Comedyfach wechseln - verraten Sie uns Ihren Lieblingswitz? Da muss ich leider passen - ich kann mir tausend Telefonnummern merken, aber keine Witze. Vielleicht fehlt mir dafür irgendein Gen. Zu Beginn Ihrer schauspielerischen Laufbahn haben Sie Theater gespielt. Was gefällt Ihnen besser - Bühne oder Fernsehen? Ich möchte mich da eigentlich nicht entscheiden müssen - im Moment hat die Fernseharbeit -die von der Technik her etwas feinere Arbeit- für mich klare Priorität und das macht mir auch viel Spass, aber das soll nicht heissen, ich hätte mich für alle Zeiten vom Theater abgewandt. Stimmt es, dass Sie an einer Filmhochschule studiert haben? Ja, ich habe an der Filmakademie in Ludwigsburg Filmproduktion studiert. Als Schauspieler ist man ja immer darauf angewiesen, eine passende Rolle angeboten zu bekommen. Eine sehr passive Geschichte. Man kommt zu einem Projekt oft erst als Letzter dazu, wenn alle grundsätzlichen Fragen entschieden sind und das Drehbuch vorliegt. Dabei finde ich es viel reizvoller, eigene Ideen einbringen zu können. Deshalb werde ich vermehrt darauf hinarbeiten, eigene Projekte zu entwickeln und es gibt ja auch immer mehr Schauspieler, die grossen Erfolg mit Filmen haben, die sie auch selbst produzieren. Mittelfristig ist das auf jeden Fall mein erklärtes Ziel und dabei ist mir das Filmhochschulstudium natürlich eine Hilfe. Jetzt wollen wir aber auch noch ein bisschen was Privates erfahren... Na, dann mal los... Können Sie eigentlich Blut sehen? Solange es nicht mein Eigenes ist... Ich bin durch meinen Job als Fernseharzt schon etwas abgestumpft. Manchmal steckte ich bis zum Ellenbogen im Schweinebauch und dann verteilen die Lieben Maskenbildner auch noch überall grosszügig das gute Kryolan - Filmblut. Immerhin merke ich, dass ich jetzt hinschaue, wenn sich z.B. jemand tief geschnitten hat - früher hätte ich weggesehen, aber jetzt gehe ich hin. Vielleicht hat da doch etwas abgefärbt vom Lebensretter im OP... Leben Sie nach dem Motto "nur keinen Streit vermeiden"? Wie kommen Sie denn darauf, ich bin ein sehr umgänglicher Mensch. Ich bemühe mich allerdings, ehrlich zu sein und manchmal kommt es vor, dass jemand damit nicht umgehen kann. Wobei es manchmal aber auch überhaupt keinen Sinn macht, zu debattieren und seine Energie zu verschwenden. Zum Beispiel habe ich kürzlich in einem Hotel einen Cappuccino bestellt und einen abgestandenen schwarzen Filterkaffee bekommen mit Sahne aus der Sprühdose drauf. Aber es wäre doch beknackt, wollte ich darüber diskutieren. Wenn das der Stil des Hauses ist, würden die meine Kritik ohnehin nicht verstehen. Ausgerechnet Ihnen bieten die sowas an, Sie sollen doch so ein Espresso - Freak sein? Ja, das war ein schwerer Schock für mich... Wo wohnen Sie? In Hamburg in einer Altbauwohnung, den Einrichtungsstil würde ich mal mit Trend zum hochwertigen Einzelstück bezeichnen. Häufige Umzüge hatten eine Rationalisierung meines Hausstands zur Folge. Ich besitze z. B. keinen Kleiderschrank, das zwingt mich zwar dazu, immer Wohnungen mit begehbarem Schrank zu finden, aber das ist mir bisher zum Glück gelungen. Leben Sie gesund? Ich versuch's. Aber eigentlich schon, ja. Ich rauche nicht und trinke massvoll. Gerne mal 'nen guten Wein, aber Qualität vor Quantität. Treiben Sie Sport? Für alle regelmässigen Sportarten fehlt mir leider die Zeit. Kürzlich habe ich mal wieder versucht, regelmässig Tennis zu spielen, aber das haut einfach nicht hin. Dafür jogge ich gerne um die Alster und gehe im Winter gerne Skifahren - ausser wenn ich drehe, dann darf ich das nicht. Wieso nicht? Skifahren ist uns Fernsehgauklern vertraglich verboten. Aber man sieht Kollegen von Ihnen doch öfter mal beim Skifahren? Sagen Sie's nicht weiter... Was sind Ihre grössten Schwächen? Wahrscheinlich Ungeduld - wenn ich etwas repariere und es nicht gleich hinkriege, schmeiss ich es an die Wand. Und dann könnte ich mein Zeitmanagement verbessern - manchmal packe ich mir zuviel in den Tag hinein. Aber ich will hier eigentlich nicht all meine Unzulänglichkeiten breittreten... Was ist für Sie Luxus? Luxus ist für mich Freiheit. Eine gewisse Unabhängigkeit - beruflich z.B. die Freiheit zu haben, nicht jedes Engagement annehmen zu müssen, bloss weil man das Geld braucht. Wichtiger als eine goldene Armbanduhr ist doch die Freiheit, selbst entscheiden zu können. Was ist für Sie Glück? Ich merk' schon, jetzt kommen die einfachen Fragen... Also - Glück kann viele Gesichter haben, ein Kinderlachen, das Erleben eines Naturschauspiels oder bezogen auf das eben Gesagte: mit einer Flasche Wein, etwas Brot und Käse zusammen mit meiner Freundin am Strand zu sitzen und keine Existenzangst haben zu müssen. Ein Zustand der inneren Ausgeglichenheit und Wärme. Und dann - es wird häufig so dahergesagt, aber es ist doch so: ich denke wenn man gesund ist, kann man sich schon glücklich schätzen. Sind Sie gläubig? Mit der Institution Kirche kann ich nicht so viel anfangen. Ich glaube an das Gute im Menschen und daran, dass man zurückbekommt, was man gibt. Ursache und Wirkung - man erntet, was man sät. Alles wird gut... Ach nee, bitte nicht - was für'n abgedroschener Spruch... Wie können Sie am Besten abschalten? Indem ich mich am Wasser aufhalte. Wenn ich in Hamburg drehe, habe ich es ja nicht weit. Ich verbringe lieber einen Tag an der stürmischen Nordsee, und denke nach, als mich ins Nightlife zu flüchten. Reisen Sie gerne? Ja. Das ist auch ganz gut so, denn als Schauspieler ist man ja immer so ein bisschen Zigeuner... Man arbeitet und dreht in ganz Deutschland, oder sogar im Ausland und da hilft es schon sehr, wenn man Spass am Rumreisen hat. Ausserdem versuche ich, jedes Jahr einen Monat Los Angeles einzuschieben. Dort bringe ich mein Bewerbungsmaterial auf Vordermann und arbeite mit einem Coach - wir probieren Sachen aus, für die in Deutschland im Drehalltag keine Zeit ist. Also arbeiten Sie selbst im Urlaub? Nein, das ist kein Urlaub, ganz im Gegenteil. Da wird ernsthaft gearbeitet, aber komischerweise ist das auch entspannend, weil nicht der Druck herrscht, Szenen abliefern zu müssen, sondern man hat ganz andere Freiheiten, weil es Training ist und ja um Nichts geht. Aber in den Urlaub fahre ich natürlich auch gerne, zum Beispiel habe ich schon einige Traumstrände durch - Mauritius, Malediven, Seychellen, Virgin Islands, Mexico, Thailand etc. Während des Schauspielstudiums habe ich nebenbei bei der Lufthansa gearbeitet. Eigentlich war der Job zur Finanzierung des Studiums gedacht, aber ich habe das Geld postwendend für Tickets wieder ausgegeben. Ich habe damals eher zur Sanierung der Lufthansa beigetragen, als umgekehrt. Urlaub ist ja zunächst nicht drin - wie geht es jetzt für Sie weiter, was liegt an? Bis Mitte Juni drehen wir erst mal die nächsten 6 Folgen des alphateam Spin-Offs "Broti & Pacek" -der Name wird sich aber noch ändern. Und wie gesagt, die Quoten werden entscheiden, ob es mit den beiden Serien weitergeht. Zwischendurch drehe ich das Fernsehspiel " Operation Family" für Pro7 in München und Bad Tölz. Und ansonsten zeichnen sich jetzt schon ein paar neue Projekte ab, die auch sehr interessant werden könnten. Mehr dazu verrate ich aber erst, wenn es wirklich soweit ist. Abergläubisch? Das hat damit eigentlich nichts zu tun. In unserer Branche gibt es so viele kurzfristige Änderungen, dass man manchmal erst sicher sein kann, dass ein Projekt auch wirklich zustandekommt, wenn man vor der Kamera steht... Vielen Dank für das Gespräch - bleibt Ihnen zu wünschen, dass möglichst schöne neue Projekte zustandekommen! Danke, dem Wunsch kann ich mich nur anschliessen... |